Metas Expansionskurs unter Beschuss: Vom Namensstreit zur heiklen Manus-Übernahme

Der Tech-Gigant Meta steht erneut im Zentrum geopolitischer und juristischer Auseinandersetzungen. Während das Unternehmen mit der geplanten Übernahme des KI-Startups Manus für zwei Milliarden Dollar den nächsten großen strategischen Schritt wagt, ziehen am Horizont dunkle Wolken auf. Chinesische Regulierungsbehörden haben ein scharfes Auge auf den Deal geworfen, was alte Muster im Geschäftsgebaren des Konzerns in Erinnerung ruft: Aggressives Wachstum trifft auf rechtliche Hürden – eine Geschichte, die sich seit der Umbenennung von Facebook zu Meta wie ein roter Faden durch die Firmenhistorie zieht.

Hürden für den Milliarden-Deal

Die geplante Akquisition der in Singapur ansässigen, aber von Chinesen gegründeten KI-Firma Manus könnte sich komplizierter gestalten als zunächst angenommen. Wie die Financial Times berichtet, prüfen chinesische Behörden derzeit intensiv, ob bei dem Verkauf gegen geltende Exportkontrollgesetze verstoßen wird. Kern der Untersuchung ist die Frage, ob Manus für den Transfer seiner Technologie von China nach Singapur eine spezielle Exportlizenz benötigt hätte. Sollten die Regulatoren zu dem Schluss kommen, dass eine solche Lizenz erforderlich gewesen wäre, droht dem Deal nicht nur eine Verzögerung, sondern schlimmstenfalls das komplette Aus.

Für die Gründer von Manus steht dabei viel auf dem Spiel. Berichten zufolge könnte ihnen sogar eine strafrechtliche Verfolgung drohen, sollten sie Technologie ohne die notwendigen Genehmigungen außer Landes gebracht haben. Dies geschieht vor dem Hintergrund des sogenannten „Singapore Washing“. Dieser Begriff beschreibt einen zunehmenden Trend, bei dem chinesische Unternehmen ihren Hauptsitz ins Ausland verlegen – oft kurz vor einer Übernahme –, um geopolitischen Spannungen und strengen Kontrollen zu entgehen. Sollte dieses Vorgehen Schule machen, könnte es weitere chinesische Startups zur Abwanderung ermutigen.

Trotz der Unsicherheiten versucht man intern, Ruhe zu bewahren. Gemäß den Vertragsbedingungen soll Manus operativ eigenständig bleiben und Abonnements weiterhin über die bestehende App und Webseite vertreiben. CEO Xiao Hong betonte bei der Ankündigung des Deals im Dezember 2024: „Der Beitritt zu Meta ermöglicht es uns, auf einem stärkeren, nachhaltigeren Fundament aufzubauen, ohne die Arbeitsweise oder Entscheidungsprozesse bei Manus zu verändern.“

Schatten der Vergangenheit: Der Kampf um den Namen

Dass Meta bei seinen Expansionsplänen auf Widerstand stößt, ist indes keine Neuigkeit. Schon die bloße Existenz des Namens „Meta“ ist das Ergebnis eines holprigen Prozesses, der zeigt, wie der Konzern mit Hindernissen umgeht. Als Mark Zuckerberg vor einigen Jahren die Umbenennung von Facebook bekannt gab, wirkten weder der Name noch das Logo sonderlich originell. Schnell meldeten sich Unternehmen zu Wort, die sich übergangen oder schlichtweg kopiert fühlten.

Besonders brisant war der Fall der „Meta Company“ aus Chicago. Das Unternehmen gab damals an, von Facebook-Anwälten regelrecht bedrängt worden zu sein, ihren Namen zu verkaufen. Man habe das Angebot jedoch abgelehnt, da die gebotene Summe nicht einmal die Kosten für eine eigene Umfirmierung gedeckt hätte. Zudem weigerten sich die Anwälte zunächst, die Identität ihres Mandanten preiszugeben. Auch wenn unklar blieb, was die Meta Company operativ genau leistete – ihre Social-Media-Kanäle waren verdächtig frisch –, kündigte man rechtliche Schritte an.

Handfester ging es bei „Meta PC“ aus Arizona zu. Der Händler für Computerhardware war bereits seit einem Jahr am Markt und hatte kurz vor Zuckerbergs Ankündigung Markenschutz beantragt. Die Gründer signalisierten zwar Gesprächsbereitschaft, riefen aber selbstbewusst einen Preis von mindestens 20 Millionen Dollar auf, um die Namensrechte abzutreten.

Konflikte bis nach Berlin

Selbst vor dem visuellen Auftritt machte die Kontroverse nicht halt. Das Berliner Startup Newsenselab sah sich mit einer verblüffenden Ähnlichkeit konfrontiert: Das Logo ihrer seit 2020 bestehenden Migräne-App „M-sense“ glich dem neuen Meta-Unendlichkeitszeichen fast wie ein Ei dem anderen. Das Unternehmen sah sich damals „wahrscheinlich gezwungen“, das eigene Produktlogo zu ändern, um Verwechslungen auszuschließen.

Diese historischen Auseinandersetzungen und die aktuellen Probleme mit der Manus-Übernahme zeigen eine klare Parallele. Ob es um Markenrechte in den USA, Designfragen in Deutschland oder Exportkontrollen in China geht: Metas Strategie ist oft von dem Versuch geprägt, Fakten zu schaffen. In der Vergangenheit ließ sich der Widerstand oft mit dem nötigen „Kleingeld“ beilegen. Ob diese Taktik jedoch auch bei geopolitisch motivierten Interventionen der chinesischen Regierung funktionieren wird, bleibt die spannende Frage der kommenden Monate.